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25.12.12 Groß-Branchiopoden : Urzeitkrebse in Deutschland

Bereits viele Millionen Jahre existieren die Urzeitkrebse nun schon auf der Erde. Sie werden deshalb zurecht als "Lebende Fossilien" bezeichnet. Ein Grund für ihr langes Überleben ist sicher auch die Spezialisierung an ihre besonderen Lebensräume. Ein Teil der Groß-Branchiopoden lebt in temporären Teichen oder Tümpeln. Diese Gewässer existieren nur zeitweise, meist im Frühjahr nach der Schnee-Schmelze oder im Überschwemmungsgebiet von Flüssen. Freßfeinde oder konkurrierende Tiere haben die Urzeitkrebse in diesen Lebensräumen nicht zu befürchten. Die Großbranchiopoden haben meist nicht viel Zeit bis das Gewässer wieder trockenfällt, dementsprechend kurz ist bei manchen Arten auch die Lebenserwartung. Nach der Paarung werden sogenannte Dauereier abgelegt die jahrzehntelang überdauern können.

Groß-Branchiopoden - Urzeitkrebse
Schuppenschwanz (Lepidurus apus)


In Deutschland sind nur wenige Arten nachgewiesen, die wichtigsten Vertreter der einzelnen Ordnungen möchte ich hier kurz vorstellen. Viele sind sehr selten und natürlich stehen alle Urzeitkrebse unter Naturschutz.

Rückenschaler (Notostraca)

Die sehr urtümlich anmutenden Tiere sind in Deutschland mit zwei Arten vertreten, beide besiedeln temporäre Überschwemmungsgebiete meist im Umfeld von Flussauen. Während der Schuppenschwanz (Lepidurus apus) eine ausgesprochene Frühjahrsart ist findet man den Kiemenfuss (Triops cancriformis) nur in der warmen Jahreszeit von April bis November. Rückenschaler sind Allesfresser die den Bodengrund nach Nahrung absuchen, neben Plankton ist das vor allen tierische Kost (Larven, Würmer...).

Feenkrebse (Schalenlose) - Anostraca

Die Tiere besitzen, anders als die Rückenschaler, kein körperbedeckendes Schild. Feenkrebse schwimmen stets mit dem Bauch nach oben, mit den beborsteten Beinen filtern die Tiere permanent Schwebstoffe, Plankton und Mikro-Organismen aus dem Wasser. Über eine Bauchrinne wird der Nahrungsbrei dann zum Mund transportiert.

-Der Frühjahrs-Feenkrebs (Eubranchipus grubii) besiedelt temporäre und fischfreie Kleingewässer im Waldbiotop, seltener sind Vorkommen in offenen Wiesensenken.

-Den Sommer-Feenkrebs (Branchipus schaefferi) findet man von April bis November in temporären Kleingewässern oder regenwassergefüllten Fahrspuren, oft auf ehemaligen Truppenübungsplätzen.

-Salinenkrebse (Artemia sp.) besiedeln salzhaltige Binnengewässer, ein Lebensraum der ebenfalls sehr ungewöhnlich und selten ist. Es gibt einige wenige Stellen in Deutschland wo die Art noch vorkommt, wahrscheinlich handelt es sich um ausgesetzte Exemplare bzw. deren Nachkommen. Als Futtertiere für Fische oder Garnelen werden Artemien im großen Stil gezüchtet.

Muschelschaler (Conchostraca)

Ebenfalls eine seltene Art ist der Linsenkrebs (Limnadia lenticularis), der temporäre Kleingewässer, meist im Umfeld von Flussauen, besiedelt. Bekannt sind auch einige Vorkommen in Fischzuchtanlagen. Es handelt sich um eine Sommerform (April bis November). Die Tiere sind besonders schnell in ihrer Entwicklung, es braucht nur wenige Tage bis geschlüpfte Tiere adult werden.

Von Jörg Riedel