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28.12.12 Heimische Fledermäuse (Microchiroptera)

Fledertiere (Chiroptera) sind neben den Vögeln die einzigen Wirbeltiere die fliegen können. Zu dieser Tiergruppe gehören neben den Fledermäusen auch die Flughunde (Megachiroptera) die bei uns aber nicht vorkommen. Weltweit gibt es ca. 900 Fledermaus-Arten, in Deutschland sind es etwa 22. Den teilweise schlechten Ruf, der die Tiere in Verbindung mit Blutsaugern bringt, haben die Fledermäuse nicht verdient. Die meisten heimischen Fledermäuse sind Insektenfresser und somit als Nützlinge anzusehen. Neben Insekten und Spinnen stehen bei einigen größeren Arten auch Amphibien oder kleine Säugetiere auf dem Speisezettel.

Groß-Branchiopoden - Urzeitkrebse
Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)


Echo-Ortung

Für ihre nächtlichen Beutezüge nutzen die Fledermäuse die Echo-Ortung. Ausgestoßene Ultraschallwellen werden von der Umgebung reflektiert und zurückgeworfen. Diese Signale (Echos) können die Tiere verarbeiten (ähnlich einer Radaranlage). Auf diese Weise werden auch die Beutetiere lokalisiert und können leicht überwältigt werden. Die Echo-Auswertung ist dabei so genau das teilweise sogar erkannt wird um welches Insekt es sich handelt. Jede Art hat ihren charakteristischen Ruf inkl. eigenem Frequenz-Bereich der vom Menschen nicht hörbar ist. Man kann sich allerdings einen "Bat-Detector" zu Nutzen machen der die Echos in für Menschen hörbare Signale umwandelt.

Lebensweise

Fledermäuse sind nachtaktiv und haben sich im Laufe ihrer Evolution perfekt an ein Leben in Dunkelheit angepaßt. Zwischen Schulter, Fingerspitzen und Schwanz befindet sich die sogenannte Flugmembran oder Flughaut (Patagium) die es den Tieren ermöglicht aktiv zu fliegen. Während des Tages schlafen die Fledermäuse, sie suchen dafür ein geeignetes Versteck auf, beispielsweise Baumhöhlen, Felsspalten, Dachböden... Winterquartiere sind meist geräumiger da sich die Tiere gern in großer Zahl versammeln (Höhlen, Stollensysteme, Ruinen). In der Ruhephase hängen sich die Tiere überkopf auf. Durch eine besondere Konstruktion der Krallensehnen wird dafür kein Muskel benötigt. Im Winterquartier findet meist auch die Paarung statt, aber erst nach dem Winterschlaf wird die Befruchtung der Eizelle eingeleitet. Im Frühjahr versammeln sich mehrere Weibchen in einem Quartier um ihre Jungen aufzuziehen (Wochen-Stube), die Männchen bleiben davon isoliert. Nach einer Tragzeit von bis zu neun Wochen werden die Jungen geboren. Ab September werden die Jungtiere selbstständig und verlassen die Wochenstube, bis dahin sind sie komplett von ihrer Mutter abhängig.

Neben den natürlichen Feinden (Eulen, Katzen...) geht wohl die größte Gefahr vom Menschen aus der Lebensräume oder Ruheplätze der Fledermäuse zerstört, auch Insektizide in der Landwirtschaft oder falsche Standorte von Windkraftanlagen können zum Problem werden. Die Tiere sind sehr langlebig, manche Arten können bis 30 Jahre alt werden, im Durchschnitt liegt die Lebenserwartung in der freien Natur aber deutlich niedriger.

Von Jörg Riedel